Dieser Beitrag wurde ursprünglich für das Seminar „Kunst und Kultur im Radio“ an der Universität zu Köln geschrieben.
Song „Can You See Me Tonight?“: ab 0’13 bis 0’27 (14 Sekunden)
Auf magische Weise schaffen talentierte Songwriter*innen es ja immer wieder, ihre Lieder mit spezifischen Details aus der eigenen Biographie vollzupumpen und das Ganze trotzdem noch universell wirken zu lassen. Im Sinne von: Je echter mein Leben rüberkommt, desto mehr fühlt es sich auch wie deins an. Eben diesen Zaubertrick schafft auch Tyler Jordan, Frontmann der US-amerikanischen Heartland-Rock-Band Good Looks, die heute ihr zweites Album „Lived Here For A While“ veröffentlicht haben. Er adressiert gleich mehrere Songs an seine Mutter oder besingt seine geliebte Partnerin Vaughn, die während eine schwierigen Phase für Stabilität in seinem Leben gesorgt hat. Selbstverständlich hat er den Song auch nach ihr benannt, damit es ja kein Vertun gibt. So hört sich das dann an:
Song „Vaughn“: ab 0’44 bis 0’54 (10 Sekunden)
Gegründet wurden Good Looks in Austin, Texas und lassen sich musikalisch dem Genre des Heartland Rock zuweisen, das in den Siebziger/Achtziger-Jahren von Legenden wie Bruce Springsteen oder Tom Petty geprägt und seither von Bands wie The War on Drugs – oder eben Good Looks – am Leben gehalten wurde. Tiefamerikanisch und robust klingt diese Musik, wird von einem verzweifelten Blick auf sich selbst und die Welt geprägt, hat gleichzeitig aber eine durchweg positive Grundstimmung. Das Motto lautet hier: Unbedingt weitermachen, komme was wolle. Das dachten Good Looks sich vermutlich auch, als Lead-Gitarrist Jake Ames einen schweren Unfall erlitt, als er von einem Auto angefahren wurde und ernsthafte Verletzungen davontrug, von denen er sich mittlerweile wieder erhole konnte. Eben sein halliges Gitarrenspiel ist es auch, das den Heartland-Rock-Sound von Good Looks ein Stück weit in Richtung Post-Punk schiebt und dadurch noch origineller macht. Besonders deutlich wird das in „Broken Body“ – ein Songtitel, der auf den Unfall von Ames anzuspielen scheint:
Song „Broken Body“: ab 1’19 bis 1’32 (13 Sekunden)
Wie bei Bruce Springsteen, dem Patron aller Heartland-Rocker, geht es auch bei Good Looks viel darum, wo man herkommt. Tyler Jordan, dessen Familie zu großen Teilen aus christlichen Predigern besteht, wuchs in einer konservativen, extrem religiösen Gemeinschaft auf und singt von den traumatischen Erfahrungen, die er in seiner Kindheit gemacht hat. Gleichzeitig geht es um das Rebellieren gegenüber seiner Herkunft, so singt er im Album-Opener „If It’s Gone“:
Song „If It’s Gone“: ab 1’23 bis 1’42 (19 Sekunden)
Im Herzen identifiziert Jordan sich vor allem als Sozialist, dementsprechend werden auf dem Album auch gesellschaftskritische Themen behandelt. Er singt von der Gentrifizierung und davon, wie arme Menschen aus ihren Häusern vertrieben werden. Ein großartiges Album, das eine ganze Menge zu sagen hat.
Song „White Out“: ab 2’00 bis 2’16 (16 Sekunden)