Pressetext: the glitch youth

In „disintegrate“, dem aufbrausenden Opener der „screensaviors ep“, dauert es nicht lang, bis die Shoegaze-Pop-Band the glitch youth ein sentimentales Gefühl von Sehnsucht erschaffen hat. Das passiert natürlich musikalisch – durch melancholische Harmonien, dröhnende Gitarren und ein jugendliches „Komme was wolle“-Feeling –, aber eben auch textlich: „And still you’re trying to find me down your screens“. Man liegt räumlich getrennt voneinander im Bett, beide mit dem Handy vor der Nase, doch wirklich verbunden fühlt man sich durchs ständige Texten trotzdem nicht. „Entfremdung hat dadurch, dass man eigentlich immer miteinander kommunizieren könnte, nochmal eine ganz andere Tragweite“, erzählt Frontmann Yannick Noä und fasst damit zusammen, dass es auf der „screensaviors ep“ auch um jene Beziehungen geht, die im Online-Kontext losgehen und dort auch wieder zerfallen. Als Konzept-EP, die einen imaginären Soundtrack zu einer postdigitalen Coming-of-Age-Geschichte darstellt, lässt sich dieses großartige Erstwerk zusammenfassend beschreiben.

„I watched you go with my eyes burned out from staring at the screen“, heißt es später in „as dark as aware“ – ein viel modernes Bild des Begehrens kann man eigentlich nicht malen –, ehe einer dieser Refrains auftaucht, die auf der Welt nur ganz selten um die Ecke kommen: „And I’m as dark as aware, running for cover made me running out of air/As clear as hindsight, these times just leave me with a vacant smile“. Dieser Chorus stellt sich dir mit einer derart unbestreitbaren Power vor die Nase, dass man nie wieder wegschauen kann. So verdammt catchy ist das.

Dass Shoegaze-Musik momentan im Trend ist, passt natürlich perfekt zu der originellen Klangästhetik von the glitch youth. „Das ist für mich die schönste Ausdrucksform von Gitarrenmusik“, erzählt Yannick Noä im Bezug auf die ausgefallen, ultra-verzerrten Gitarrensounds seiner Band. „Ich mag Gitarrenmusik, die auf den ersten Blick nicht sofort diesem Genre zuzuschreiben ist“. Trotzdem ist diese Musik poppig und zugänglich – auch, weil Drummer Tillman Coronett und Bassist Julian Burkert einen gewissen Punch reinbringen und dafür sorgen, dass die verwaschenen Effekte nicht untereinander ersaufen. 

Begonnen hat the glitch youth ursprünglich als Bedroom-Projekt von Yannick Noä, doch irgendwann sind Coronett und Burkert schleichend mit reingerutscht. Fast zwei Jahre befand die Band sich dann in einer intensiven Songwriting-Phase, in dem die verschiedenen Demos von Noä ausgefeilt und bis ins kleinste Detail arrangiert wurden. Am Ende standen dann die vier Song der „screensaviors ep“, die zusammen – wie zuvor beschrieben – eine einsaugende Geschichte erzählen. Der letzte davon, „vanishers“, betrachtet die Thematik nochmal aus der Meta-Perspektive. Heißt: Hier wird nochmal zurückgespult, als würde man durch einen gefühlsgeladenen Chatverlauf scrollen. Und erneut fällt einem auf, wie lebendig, kunstvoll und vor allem zeitgemäß diese Musik ist.