Dieser Text wurde ursprünglich für das Seminar „Rhetorik – Theorie und Praxis“ an der Universität zu Köln geschrieben.
Irgendwo in mir schlummert er, macht’s sich mit einem leckeren Joint in der Badewanne bequem und pumpt genießerisch eines der sieben CCR-Alben (wahrscheinlich „Willy and the Poor Boys“ oder „Cosmo’s Factory“; bestimmt nicht „Mardi Gras“, das ist für Loser). Auf Stühle setzt er sich nicht, sondern legt sich halb hinein, und fragt immer mal wieder nach dem aktuellen Wochentag. Er nennt sich The Dude – auf ’ne Art hat das was unsympathisches, was ihn aber nicht weniger zum Atzen macht – und ist, nun ja, „quite possibly the laziest [man] in Los Angeles County, which would place him high in the runnin‘ for laziest worldwide„. Wir sündigen, er chillt/faulenzt/wasauchimmer. Mit anderen Worten: Er ist notwenig, ohne ihn wär‘ blöd.
In „The Big Lebowski“ geht es jedenfalls darum – zumindest teilweise –, was passiert, wenn ein fauler Sack auf’s Maul bekommt, beziehungsweise: wenn jemand auf seinen Teppich pisst und deutsche Nihilisten einen Mader auf ihn loslassen. Wie genau das alles abläuft, ist allerdings nur schwer wiederzugeben; hab den Film schon gottlos oft gesehen und ehrlicherweise immer noch nicht zu 100% verstanden, was da abgeht. Komplett begreifen soll man das aber auch nicht, würde ich behaupten. Stattdessen sollen wir uns fühlen wie The Dude, für den es ja ohnehin viel zu anstrengend wäre, die skurrilen Wendungen in seinem Leben verstehen zu wollen.
Viel zu kompliziert findet er die gesamte Welt, so sieht er am Rande beispielsweise auch Nachrichten zum Golfkrieg (Krieg = am kompliziertesten). Völlig verständlich, dass man da irgendwann abschaltet, keinen Bock mehr hat und inaktiv wird. Faulheit ist in „The Big Lebowski“ also keine Form von Kapitulation, sondern eine logische Konsequenz. „I cannot solve your problems, sir. Only you can.“ Aber, Mann: Das ist so verdammt anstrengend. Und warum den Ehrgeiz aufbringen, wenn eh alles bergab geht? So zu denken ist falsch – und man macht es trotzdem, weil’s in der Badewanne so schön warm ist.