Kendall Roy setzt sich also den Schreibtisch seines kürzlich verstorbenen Vaters, schließlich soll er der nächste Big Boss von Waystar Royco werden. Zumindest hat er das am Abend zuvor, nach ewigem Wirrwarr, gemeinsam mit seinen Geschwistern Shiv und Roman beschlossen (und sich wie ein kleines Kind darüber gefreut). Beide sind in diesem symbolischen Moment mit im Raum und sehen ihrem siegessicheren Bruder dabei zu, wie er das zu bekommen scheint, was ihm tragischerweise schon als sieben jähriger Junge versprochen wurde – tragisch, weil er seitdem quasi nichts anderes mehr haben wollte, sich ganz genau das aber nicht mal eben kaufen konnte. Zu sagen, dass er tief im Inneren immer noch dieser siebenjährige Junge ist, wäre nur bedingt eine Übertreibung. Jedenfalls sind die Blicke von Shiv und Roman irgendwo zwischen Neid, Zweifel, Misstrauen und gefühlt dreitausend weiteren Emotionen einzuordnen; wie das halt so ist bei „Succession“. Es dauert nicht lange bis Kendall seine Füße auf den Schreibtisch legt, und man sich als Zuschauer erneut fragen muss, wie man jemals mit so einem Drecksack mitfühlen konnte. Ist ja häufig so mit Kindern, oder zumindest so ähnlich: Unerträglich können sie sein, aber lieben tun wir sie trotzdem. „I love you, but I cannot fucking stomach you“, um Shiv zu zitieren.
Vor allem Shiv ist es später auch, die keine Lust mehr darauf hat, mitzuspielen. In Anwesenheit von Roman teilt sie Kendall also mit, dass sie bei der gerade kurz pausierten Abstimmung bezüglich der Zukunft von Waystar Royco nun doch nicht für ihn abstimmen wird, was Kendall natürlich gaaar nicht gefällt (wer hier auf wessen Seite steht, wechslet ständig; wie damals auf dem Spielplatz). „I’M THE ELDEST BOY!“, brüllt Kendall aus Protest. Und sabbert dabei kurz. Der älteste von den Dreien mag er ja sein, ein boy ist er aber trotzdem nur. Danach wird sich unter anderem kurz, ähm, gekäbbelt, also verlässt Shiv empört den Raum – mit den sehr wahren Worten: „Fucking child.“
Und dann Roman: „We’re nothing.“ Stimmt. Nichts, außer die Nachkommen eines toten Medienmoguls. In der absolut großartigen Abschlussfolge von „Succession“ sehen wir, wie drei Geschwister herumalbern und sich gegenseitig nachäffen. Wie sehen, wie sie sich ein Video von ihrem verstorbenen Vater anschauen und Tränen aus ihren Augen kullern. Wir sehen drei Kinder, die etwas wollen, das dann aber nicht bekommen. Drei Kinder, die etwas mehr Liebe gebraucht hätten. Und für immer gebrochen sind.