Ganz egal, was du für Musik machst: Trafy ist vermutlich interessiert. Wenn er von irgendwas gepackt wird, saugt der gefühlsgeladene Musiker das Gehörte auf und baut es dann in seine – im wahrsten Sinne des Wortes – eigenen, ziemlich trippigen Songs ein. Ähnlich wie seine genresprengenden Vorbilder (Mac Miller & Gorillaz) bedient der Kölner sich an Elementen aus den verschiedensten Richtungen und vermischt, nur mal so zum Beispiel, melancholische Jazz-Akkorde mit sphärischen Indie-Gitarren. Oder wie Trafy selbst mal gerappt hat, auch wenn’s wahrscheinlich anders gemeint war: „Nehm mir was ich will und dann teil ich’s auf“.
Dieser offene Ansatz bildet den Kern von wehmütigen Veröffentlichungen wie „Der Herbst kam über Nacht“ und „Pareidolia“, die in jeder Hinsicht (Beats, Konzepte, Lyrics) aus den facettenreichen Gedanken des Rappers entstanden sind. Meistens schimmert die schmerzbehaftete Trostlosigkeit à la Earl Sweatshirt durch, während an anderen Stellen auch mal geflext werden darf. Eines ist die Musik von Trafy jedoch immer: Anders – und anders ist gut.
So auch die neue Single „Blüten“: Ein E-Piano seufzt im Flüsterton, die Bässe blubbern unaufdringlich und obendrüber erklingen schwebende Synth-Sounds, die dem Song eine berauschende Atmosphäre verleihen. Dadurch entsteht die perfekte Grundlage für den desolaten Herzschmerz in Trafys Worten: „Wenn ich jetzt blinzle, seh ich dein Grinsen“. Immer wieder wird sich in „Blüten“ so eloquent ausgedrückt, dass man gar keine andere Wahl hat, als mitzufühlen: „Hätt um meinen Wert zu checken gern ne App“. Das kennt man nur zu gut. Doch vermitteln können’s nur die wenigsten. Überlassen wir das Trafy.